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Debatte um Social-Media-Regulierung: Bayerns Digitalminister plädiert für Klarnamenpflicht und altersadäquate Nutzungsrechte statt pauschaler Verbote Minister Mehring: „Medienkompetenz erzieht kritische Nutzer – Verbote erzeugen digitale Analphabeten!“

19. Februar 2026

Die Diskussion um ein pauschales Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche gewinnt bundesweit an Dynamik. Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring warnt vor einer „Phantomdebatte“ – und plädiert für wirksame, rechtssichere Lösungen statt zahnloser Symbolpolitik.

Mehring stellt klar: „Soziale Medien sind Teil unserer Lebensrealität. Sie sind da und gehen nicht mehr weg – genau wie einst Buchdruck, Radio oder Farbfernsehen. Aus Überforderung durch diese Entwicklung einen digitalen Verbotsstaat zu errichten, wäre eine Kapitulation vor der digitalen Transformation.“

Babyboomer „Kein Lehrbeispiel für reflektierte Nutzung durch späten Einstieg“

Für Mehring ist gerade das heutige Nutzerverhalten der Babyboomer-Generation, die ohne soziale Medien aufgewachsen sei, kein Lehrbeispiel dafür, dass ein später Einstieg zu besonders reflektierter Nutzung führe. In Bayern setze man daher nicht auf Verbote, sondern auf die gezielte Vermittlung von Medienkompetenz: „Wir wollen unsere Kinder nicht zu digitalen Analphabeten machen, sondern zu kritisch-konstruktiven Nutzerinnen und Nutzern der Werkzeuge unserer modernen Zeit.“

Rechtliche Grenzen nationaler Alleingänge

Auch rechtlich sieht Minister Mehring erhebliche Hürden für ein nationales Verbot. Mit dem Digital Services Act existiert ein europaweit geltender Rechtsrahmen für Plattformen. Zudem greift das Herkunftslandprinzip: Für große Anbieter wie Meta oder ByteDance gilt das Recht ihres europäischen Sitzlandes – in beiden Fällen Irland. „Wer glaubt, man könne soziale Medien per deutschem Bundesgesetz einfach abschalten, führt eine Phantomdebatte. Ein solches Verbot wäre ein gänzlich zahnloser Tiger und praktisch völlig wirkungslos“, so Mehring.

Australien: „Kein Vorbild, sondern absurd“

Nichts abgewinnen kann Mehring hingegen dem australischen Beispiel, wo man auf ein pauschales Verbot der Nutzung von sozialen Medien bis zum 16. Geburtstag setzt. Das würde bedeuten, dass wir junge Leute zwar dafür begeistern, mit 15 eine zukunftsträchtige Lehre zum Programmierer bei Apple oder Microsoft zu beginnen, sie staatlicherseits aber erst im Folgejahr auf Plattformen ins Internet lassen. Das wäre wirklich absurd, komplett aus der Zeit gefallen.

Klare Identitäten statt pauschaler Verbote

Statt gestaffelter Verbote setzt Mehring auf altersadäquate Nutzungsrechte und technische Lösungen. Schließlich bestünden bereits heute Altersvorgaben, es fehle jedoch an einer wirksamen Kontrolle. „TikTok ist beispielsweise in Deutschland erst ab 13 erlaubt und bedarf bis 16 einer Zustimmung der Eltern. Die meisten Leute wissen das aber nicht einmal, weil es niemand kontrolliert. Das Problem ist nicht das Fehlen von Regeln, sondern ihre fehlende Durchsetzung“, betont Mehring. „Deshalb schlage ich seit Monaten eine verbindliche Klarnamenpflicht und eine persönliche Verifikation aller Nutzerinnen und Nutzer vor. Nur wenn feststeht, wer und wie alt jemand ist, können Plattformen Inhalte zuverlässig altersgerecht ausspielen – ähnlich wie bei der FSK-Freigabe im Filmbereich. So muss niemandem der Zugang zu sozialen Medien verboten werden, und unsere Kids sind trotzdem sicher im Netz“, so Mehring. Ein solcher Ansatz verbinde Schutz und Teilhabe: keine digitalen Sperrzonen für Jugendliche, aber klare Verantwortlichkeit im Netz.

 Medienkompetenz statt Verbots-Kokon

Gerade im KI-Zeitalter sei digitale Kompetenz entscheidend für gesellschaftliche und berufliche Chancen. „Statt einen vermeintlich schützenden Verbots-Kokon über die nächste Generation zu stülpen, sollten wir junge Menschen fit fürs Digitale machen“, so Mehring.