Souveräner Arbeitsplatz Bayern

Digitale Souveränität ist gerade für den Staat und die öffentliche Verwaltung eine zentrale Zukunftsaufgabe: Immer mehr staatliche Prozesse beruhen auf digitalen Technologien und benötigen zwingend Informationstechnik für den reibungslosen Ablauf. Im Rahmen der Sachbearbeitung durch die Beschäftigten werden täglich hochsensible persönliche Daten der Bürgerinnen und Bürger verarbeitet. Die IT-Systeme und die Softwareumgebungen müssen deshalb krisenfest, belastbar und vor allem unabhängig ausgestaltet sein. Nur so lassen sich zentrale staatliche Aufgaben wie die Daseinsvorsorge, Sicherheit und der Betrieb grundlegender Infrastrukturen zuverlässig erfüllen und Beeinträchtigungen durch Abhängigkeiten von ausländischen IT-Anbietern und insbesondere deren Gesetzgebungen vermeiden. Ein gezielter Umstieg auf interoperable und erweiterbare souveräne Lösungen stärkt die Resilienz der Verwaltung und schützt staatliche Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit auch in Krisen- und Ausnahmesituationen.

Digitale Souveränität bedeutet, dass Menschen, Organisationen oder Staaten digitale Technologien selbstbestimmt, sicher und unabhängig nutzen und gestalten können. Ein grundlegender Bestandteil ist, die Kontrolle über eigene Daten, IT-Systeme und digitale Infrastrukturen zu behalten. Wichtig ist außerdem, nicht in zu starke Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, Plattformen oder technischen Standards zu geraten. Ziel ist es, digitale Handlungsfähigkeit, Sicherheit und Entscheidungsfreiheit langfristig zu sichern.

Der Begriff „Open Source-Software“ bezeichnet Programme, deren Quellcode öffentlich zugänglich ist und unter bestimmten Voraussetzungen von anderen eingesehen, genutzt, verändert und weiterverbreitet werden darf. Grundlage dafür sind offene Lizenzen, die diese Rechte ausdrücklich regeln. Dadurch können Entwicklerinnen und Entwickler organisationsübergreifend und communitygetrieben an Programmen arbeiten und sie stetig und transparent verbessern. Open Source-Software fördert oft Innovation, Zusammenarbeit und Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern.

Die Föderale Modernisierungsagenda ist ein gemeinsames Programm von Bund und Ländern zur Staatsmodernisierung, das im Dezember 2025 beschlossen und im Juni 2026 mit einem ersten Fortschrittsbericht belegt wurde. Sie umfasst über 200 Maßnahmen in fünf Leitthemen, um Bürokratie abzubauen, Verfahren zu beschleunigen und die Verwaltung zu digitalisieren.

Der Lock-In-Effekt beschreibt eine Abhängigkeit von einem bestimmten Anbieter, Produkt oder System, die einen Wechsel erschwert. Ursachen können hohe Umstellungskosten oder-aufwände, fehlende Kompatibilität oder der Verlust von Daten und gewohnten Abläufen sein. Im digitalen Bereich entsteht so oft eine faktische Bindung an einzelne Softwarelösungen, Plattformen oder Cloud-Dienste. Der Lock-In-Effekt kann die digitale Souveränität einschränken und Wettbewerb sowie Flexibilität verringern.

(Digitale) Resilienz beschreibt die Fähigkeit von Organisationen, Systemen oder Infrastrukturen, Störungen, Angriffe oder Ausfälle ihrer digitalen Infrastrukturen zu verkraften. Dazu gehört u.a., Risiken früh zu erkennen, Sicherheitsmaßnahmen vorzuhalten und auf Vorfälle wirksam reagieren zu können. Ziel ist es, auch unter schwierigen Bedingungen ohne relevante Unterbrechungszeit arbeits- und handlungsfähig zu bleiben. Digitale Resilienz stärkt damit die Stabilität, Sicherheit und Zuverlässigkeit digitaler Prozesse.

Das Bayerische Digitalministerium hat das Projekt „Souveräner Arbeitsplatz Bayern“ gestartet, um auf der Basis des Beschlusses der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) zur föderalen Modernisierungsagenda digitale, souveräne Alternativen zu proprietärer Arbeitsplatzsoftware bereitzustellen. Der Ansatz sieht vor, in den kommenden Monaten verschiedene souveräne Angebote im Alltagsbetrieb zu testen. Aus den im Rahmen der Testphase gewonnenen Erfahrungen soll ein im Regelbetrieb nutzbarer Standardarbeitsplatz entstehen, der die gängigen Büro- und Produktivitätssoftwarekomponenten enthält. Bereits im kommenden Jahr sollen 20 Prozent der Mitarbeitenden des Bayerischen Digitalministeriums ihre alltäglichen Aufgaben ausschließlich mit der neuen Lösung erledigen.

 

Das Projekt soll zugleich einen Beitrag dazu leisten, die Lizenz‑ und Nutzungskosten für proprietäre Plattformen mittelfristig zu senken, ohne die Leistungsfähigkeit und Sicherheit der ministeriellen Arbeit zu beeinträchtigen.

 

Aufgrund der Erkenntnisse und Erfahrungen in dem Projekt „Souveräner Arbeitsplatz Bayern“ soll dann entschieden werden, alle Arbeitsplätze im Bayerischen Digitalministerium umzurüsten und perspektivisch auch weitere Softwarekomponenten (wie z. B. das Betriebssystem) durch alternative Produkte zu ersetzen.


Entwicklerinnen und Entwickler organisationsübergreifend und communitygetrieben an Programmen arbeiten und sie stetig und transparent verbessern. Open Source-Software fördert oft Innovation, Zusammenarbeit und Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern.

Kontakt

So können Sie uns erreichen.